Refugium Gertrudenhof
DDR-Politiker Otto Nuschke fand in Nieder Neuendorf eine neue Heimat
Kurz nach Weihnachten des Jahres 1957 starb Otto Nuschke in Hennigsdorf. Der Journalist, Mitbegründer der CDU und entschiedener Gegner der Nationalsozialisten errichtete den Gertrudenhof in Nieder Neuendorf. In einer Broschüre haben sich Ralf Nikolai und einige Mitstreiter mit dem Leben des Politikers befasst und nun gemeinsam mit dem Stadtarchiv Hennigsdorf eine Broschüre aufgelegt. Die ist ab sofort in der Stadtinformation im Rathaus zu haben.
Der ehemalige Freundeskreis Schloss Nieder Neuendorf, dem der Fotograf Ralf Nikolai angehörte, stieß bei seinen Recherchen auch auf Otto Nuschke. Den meisten Deutschen ist Nuschke als stellvertretender Ministerpräsident der DDR in Erinnerung. Auf dem Gertrudenhof aber fand Otto Nuschke seine Ruhe und ein Refugium. Das Land hatte er bereits in den 1920er-Jahren erworben. Hier lebte er bis zu seinem Tod.
Das bewegte und bewegende Leben des Politikers, Autoren und Privatmannes konnte vor allem Sohn Heinz Nuschke erhellen und mit Details auffüllen. So enthält der Band nun auch zahlreiche Fotos aus dem Privatbestand der Familie. Sein Leben auf dem Dorfe am Rande Berlins wird dem Interessierten nachvollziehbar und nahbar vorgestellt.
Nuschke stammte aus einer Buchdruckerfamilie. Er besuchte die Akademie für grafische Künste in Leipzig und erlernte wie der Vater die Buchdruckerei. Als Redakteur aber schrieb er auch viele Texte, die seine Haltung dokumentierten. Er stand für Frieden und Verständigung ein. Auf dem Gertrudenhof kam Nuschke mit der Landwirtschaft in Berührung und engagierte sich im Bund Deutscher Bodenreformer und in zahlreichen anderen Gesellschaften. An der Leipziger Universität, die Karl-Marx-Universität hieß, erhielt er 1955 die Ehrendoktorwürde.
Doch auch das gehört zum Leben des bekannten Politikers. Er war viermal verheiratet. Seine letzte Frau Vera Günther überlebte ihn viele Jahr noch bis 2022. Begraben ist Nuschke auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin.
Die neue Broschüre über Otto Nuschke, der seine Spuren auch in Hennigsdorf hinterlassen hat, ist für 7,50 Euro in Hennigsdorf zu bekommen. Sie eröffnet eine neue Reihe von Biografien.