Am Wärmetisch Köpfe heiß geredet
Vermieter, Netzbetreiber, Stadtwerke und Kommune diskutieren über Wärmeplanung der Zukunft
Wie kann Hennigsdorf bis 2045 klimaneutral heizen? Welches sind die Wärmequellen der Zukunft? Diese Frage beantwortet die Kommunale Wärmeplanung, die zurzeit in Arbeit ist. Dazu hat sich die Stadt Hennigsdorf kompetente Partner mit den Firmen B.A.U.M. Consult GmbH und dem Institut für Energietechnik IfE GmbH an die Seite geholt. Das Erarbeiten der Strategie fußt aber auch auf erheblichem Datenmaterial, das die Planer zunächst von Wohnungsbau- und Netzgesellschaften, Stadtwerken und Betreibern öffentlicher Netze sowie Hausbesitzern und Stadt einholen müssen.
Um die gesammelten Daten und Vorschläge zur übergreifenden Strategie für die Stadt zu diskutieren, kamen jetzt zahlreiche Protagonisten von der NBB Netzgesellschaft Hennigsdorf Strom bis zur Stadtwerke Hennigsdorf GmbH, von der Wohnungsgenossenschaft Einheit bis zur Kreishandwerkerschaft zusammen. An einem ersten Wärmetisch, der in drei Arbeitsgruppen und mit zahlreichen Diskussionsbeiträgen gespickt das Thema mit allen seinen Facetten bearbeitete, redeten sich die Fachleute die Köpfe heiß. Aus verschiedenen Fraktionen waren auch Stadtverordnete mit dabei. Wo fehlt es? Was wollen wir? Was ist realisierbar, waren einige der Fragen, auf die es Antworten braucht.
Heizen wurde dabei nicht zuerst als Reizthema verstanden, sondern als Ausblick auf Künftiges. Bürgermeister Thomas Günther nahm die 30-köpfige Runde mit in die Verantwortung. „Wir machen uns alle gemeinsam einen Kopf, wie wir in den kommenden Jahrzehnten am kosteneffizientesten unsere Wohnungen klimaneutral heizen und die Duschen heiß bleiben. Die strategischen Entscheidungen darüber sind immens wichtig, weil sie die Orientierung für kommende Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen an Gebäuden geben und uns nachhaltig und bezahlbar zukunftsfähig machen.“
Dabei sind die Bedingungen in Hennigsdorf mit einem Anschlussgrad von 80 Prozent an die Fernwärme sehr gut. Doch auch für Wohngebiete, die dezentrale Lösungen benötigen, müssen Varianten entwickelt werden. Dazu gehört außerdem auch die Transformation der Fernwärme durch die Stadtwerke Hennigsdorf GmbH, die sich wegweisend an dem Neugestaltungsprozess beteiligen und zum Beispiel Wege Lösungen für Netze der Zukunft überlegen. Geschäftsführer Christoph Schneider betonte jedoch auch: „Wir müssen uns jeden Schritt auch leisten können.“
Deshalb sollen in den kommenden Monaten dazu gemeinsam wichtige Meilensteine besprochen und abgestimmt werden. Denn zahlreiche Hausbesitzerinnen und -besitzer stehen vor der Frage, wie der alte Erdölkessel ersetzt werden soll. Wie die Datenerhebung ergab, sind noch mehr als 200 solcher Kessel in Hennigsdorf in Gebrauch und mehr als 30 Jahre alt. Ihre Lebensdauer ist am Ende. Mit Erdgas indes heizen mehr als 2000 Hausbesitzerinnen und -besitzer. Die brauchen in einigen Jahren auch klare Antworten.
Die Planer haben zahlreiche Daten in einem ersten Analyseschritt hin zur Kommunalen Wärmeplanung aggregiert erfasst. Geländedaten, Wärmemengen oder Netze lassen sich so genau ablesen. Dazu wurde ein sogenannter digitaler Zwilling der Stadt erstellt, der quartiersbezogene Aussagen zum Ist-Zustand in Sachen Netze und Heizen zulässt. Auch Defizite hat Hennigsdorf, so zum Beispiel an fehlenden Grundstücken für großflächige Photovoltaik-, Biogas- oder Windkraftanlagen.
Schwierig, so die Planer, stelle sich auch die bundesgesetzliche Lage dar, die noch immer in Bewegung sei. Bis Ende 2027 – dann soll die Kommunale Wärmeplanung in Hennigsdorf vorliegen – könne sich da noch einiges verändern. Die Potenzialanalyse, die nun erarbeitet wird, soll im Herbst an einem zweiten Wärmetisch diskutiert werden. Auch eine öffentliche Informationsveranstaltung ist dann geplant.