Teil 1: Dorfidyll
Es begann als kleines Dorfidyll
Die erste urkundliche Erwähnung und damit die älteste schriftliche Quelle über Hennigsdorf datiert auf das Jahr 1375. Das Gebiet war natürlich vorher schon besiedelt, doch 1375 markiert unseren Ausgangspunkt. Nachdem Kaiser Karl IV. die Mark Brandenburg übernommen hatte, ließ er das Landbuch der Mark Brandenburg erstellen. Dieses Landbuch ist eine der wichtigsten Quellen der brandenburgischen Landesgeschichte und die bedeutendste statistische Erfassung des Mittelalters.
Was erfahren wir also über unser Hennigsdorf? Nun, damals hieß es „Heynekendorp“ und bestand aus neun Kossätenhäusern, einem Bauerngehöft und dem Lehnschulzenhof.
Kossäten waren die Dorfbewohner, die mit einer kleinen Kate und noch weniger Land auskommen mussten. Sie mussten dem Grundherrn nicht nur Zinsen in Form von Geld und Naturalien (wie Hühner und Getreide) zahlen, sondern auch „Hand- und Spanndienste“ leisten, also bei der Ernte helfen.
Sehr viele Jahr später, im Jahr 1550, hatte Hennigsdorf 13 Häuser, in denen 22 Männer und ihre Familien lebten. Es gab einen „Lehnschulzen“, der das Oberhaupt des Dorfes war, und sogar schon einen Dorfkrug, also einen Gasthof, in dem sich die Dorfbewohner treffen konnten. Das Leben gestaltete sich lange Zeit recht beschaulich. Dann kam der Dreißigjährige Krieg. Viele Dörfer in der Gegend wurden zerstört, auch Hennigsdorf erlebte schwere Zeiten. Brandenburg litt unter Kriegshandlungen und Einquartierungen. Im Gegensatz zu Nieder Neuendorf, das während des Krieges wahrscheinlich zerstört wurde, überstand Hennigsdorf die Schrecken des Krieges anscheinend besser.
Hennigsdorf verändert sich
Im 18. Jahrhundert veränderte sich Hennigsdorf langsam. In Nieder Neuendorf wurden schon 1709 neue Häuser gebaut, aber in Hennigsdorf ging es erst nach 1748 so richtig los. Damals lebten die Menschen hauptsächlich von der Landwirtschaft.
Entlang der heutigen Hauptstraße entstanden nach und nach neue Häuschen, in denen die sogenannten „Büdner“ wohnten, die kleine Landflächen besaßen, sogenannte Büdnereien. Im Jahr 1805 zählte man in Hennigsdorf gerade mal 226 Menschen und 27 Häuser. Es gab einen Dorfschulzen, dazu elf Bauern, neun Büdner und eine bunte Mischung aus Handwerkern, Fischern und Schiffern. Sogar eine Windmühle und ein Teerofen waren am Start.
Das Dorf wuchs langsam weiter, vor allem entlang der heutigen Berliner Straße. Bis zur Mitte der 1860er-Jahre lebten hier hauptsächlich Bauern und dörfliche Handwerker – die ganze Palette von Fleischer über Bäcker bis hin zu Schneider und Schmieden. Doch wie überall klopfte auch hier die Industrialisierung an die Tür. Dank der Lage an der Havel und einer wichtigen Straßenverbindung wurde Hennigsdorf zum neuen Hotspot für frische Betriebe. Wer hätte gedacht, dass aus diesem kleinen Dorf einmal so viel werden würde?
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