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Teil 3: Machtergreifung und Krieg


Finanzieller Ruin und soziale Probleme

Nach den turbulenten Zeiten des Ersten Weltkrieges erlebte Hennigsdorf ab Mitte der 1920er-Jahre eine kurze ruhige Phase. Die Gemeinde blühte auf, die Arbeitslosigkeit sank, und es wurden zahlreiche öffentliche Gebäude und Anlagen errichtet!  Doch dann kam 1929 die Weltwirtschaftskrise und beendete diesen Prozess. Plötzlich stieg die Zahl der Erwerbslosen in Hennigsdorf bis 1933 auf 1.300 Personen – das waren fast 13 Prozent! Da wurde es eng in den Geldbeuteln der Stadt, und die Schuldenlast wuchs. Hennigsdorf stand kurz vor der Zahlungsunfähigkeit. Das soziale Elend breitete sich aus und sorgte dafür, dass radikale Parteien sowohl von links als auch von rechts an Boden gewannen. Bei den Reichstagswahlen 1932 kündigte sich dann der Siegeszug der Nationalsozialisten an – ein düsteres Kapitel, das schließlich das Ende der ersten deutschen Demokratie besiegelte. Hennigsdorf wechselte wie ganz Deutschland in eine stürmische Phase, die Zukunft sah alles andere als sicher aus.


Machtwechsel im Rathaus

Innerhalb weniger Monate wurden die parlamentarischen Strukturen der Weimarer Republik aufgelöst und alle Parteien außer der NSDAP aus dem Verkehr gezogen – ein politisches „Aus“ für alle, die nicht auf der nationalsozialistischen Welle schwammen!

Bild vergrößern: Ergebnisse der Reichtagswahl am 5. März 1933
Ergebnisse der Reichtagswahl am 5. März 1933 (alle Angaben in Prozent)

Nach den Reichstagswahlen am 5. März 1933 begann in Brandenburg das große braune Einfärben in den höheren Verwaltungsinstanzen. Und auch auf kommunaler Ebene wurde kräftig umgestaltet – wie das Beispiel Hennigsdorf zeigt. Im November 1932 hatten die Nationalsozialisten noch keinen einzigen der 15 Sitze in der Gemeindevertretung, aber nur ein knappes Jahr später war das Bild ganz anders:

Die NSDAP übernahm das Ruder und besetzte die Gemeindevertretung mit ihren eigenen Leuten. Bei den Kommunalwahlen am 12. März 1933 konnte die NSDAP ihren Stimmenanteil ordentlich steigern. Zwar waren da noch fünf KPD-Mitglieder in der neu gewählten Gemeindevertretung, doch diese durften sich nicht lange freuen – sie wurden bereits vor der ersten Sitzung von ihrem Mandat ausgeschlossen. Und als ob das nicht genug wäre, schaffte es die NSDAP innerhalb weniger Wochen auch, die SPD-Vertreter aus dem Rathaus zu vertreiben. Der langjährige Amtsvorsteher Karl Altendorf (SPD) wurde wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten „beurlaubt“.


Die allgemeine Konjunktur in Hennigsdorf war wie ein frischer Wind, der die finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde aufblühen ließ. Der Schuldenberg von über vier Millionen Reichsmark aus der Zeit vor 1933 wurde bis 1940 auf rund 1,5 Millionen Reichsmark reduziert! So entstanden unter anderem die Stadtrandsiedlung (1934), die Forstsiedlung (1937), der Neubau der Seilerstraße (1938) und die „Postblöcke“ im Cohnschen Viertel (ebenfalls 1938). Es gab sogar Pläne für ein „Gauforum“ im Ortszentrum, das durch den Zweiten Weltkrieg, der 1939 begann, nicht zustande kam. Einzig der Bau des Heimes für die Hitlerjugend in der Parkstraße wurde tatsächlich umgesetzt. Öffentliche Ereignisse in Hennigsdorf standen seit 1933 ganz im Zeichen nationalsozialistischer Propaganda. Im Frühjahr 1933 ging es dann richtig los mit einer Um- und Neubenennung von Straßen und Plätzen: Der Platz vor dem Postgebäude wurde zum Adolf-Hitler-Platz umgetauft, die Rathenaustraße zur Adolf-Hitler-Straße und die Liebknecht-Straße zur Horst-Wessel-Straße.

Am 28. August 1939 wurden dann reichsweit Lebensmittel- und Verbraucherkarten eingeführt. Doch die Hennigsdorfer blieben zunächst von den direkten Auswirkungen des Krieges verschont, abgesehen von gelegentlichen Luftschutzübungen. Das änderte sich jedoch mit dem Beginn des Jahres 1943, als Berlin zunehmend zum Ziel alliierter Bombenangriffe wurde. Der Krieg machte nun auch vor Hennigsdorf nicht Halt: Schüler wurden zu den umliegenden Flakbatterien eingezogen und direkt mit dem Krieg konfrontiert, Männer zum Volkssturm rekrutiert, Schulklassen in sichere Gebiete des Reiches „kinderlandverschickt“, und ausgebombte Berliner fanden Unterschlupf in Notunterkünften.


Zerstörung

Trotz ihrer großen Bedeutung für die Kriegswirtschaft blieben die AEG-Betriebe bis kurz vor Kriegsende weitgehend von alliierten Luftangriffen verschont. Am 18. März 1945 wurde das Werk schwer getroffen. Um die Mittagszeit griffen die Amerikaner die Berliner Industrie mit über 1.300 Bombern an, insbesondere den Standort der Panzerproduktion in Nordberlin/Tegel. Das AEG-Werk Hennigsdorf war Ziel einer kleinen Gruppe von Kampfflugzeugen. Sie entluden 185 Tonnen Sprengkörper auf den Industriekomplex und zerstörten Teile des Werkes.


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