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Stadtsporthalle - Frischekur mit Ballkontakt

Im Sommer 2022 endet die mehr als einjährige Sanierung des Gebäudes / Ein neues Beachvolleyballfeld folgt noch nach 

Hennigsdorferinnen und Hennigsdorfer können sich gut erinnern. Einst kam sogar Adi aus dem DDR-Fernsehen mit "mach's mit, mach's gut, mach's besser" in der Stadtsporthalle am Sportkomplex Süd vorbei und mobilisierte die Massen. Später sangen Musiker bei "rund" vor Ort oder im ZDF. Längst haben aber Volleyballer, Judoka und Fitness-Liebende die Halle übernommen - mit einer kleinen Zwangspause. Im März 2021 begann nämlich die umfassende Sanierung des Baus, der mit Außenflächengestaltung etwa fünf Millionen Euro kostet und damit zu den größten kommunalen Projekten 2021/2022 für die Stadt gehört. Die Planer um Frank Traffehn von der beauftragten Büro MW & Partner Bauingenieure GmbH aus Hennigsdorf hatten seither das Ruder in der Hand. Der Bauleiter selbst, einst Vorsitzender von Motor Hennigsdorf, betrachtet das Bauvorhaben als Herzenssache. Fast 30 Firmen vom Raumausstatter bis zum Installateur sind seiter an der Spandauer Allee 12 tätig.

Nach der Entkernung des Garderoben- und Eventbereiches konnten die Rohbauarbeiten abgeschlossen werden. Mauerwerksarbeiten für die Umstrukturierung des gesamten Garderobenbereiches samt neuer Elektroinstallation folgten. Sämtliche Kabel wurden neu verlegt. Dann zogen die Trockenbauer eine neue Akustikdecke im Hallenbereich ein. Aufgrund der großen Fläche nahm die Deckenmontage mehrere Wochen in Anspruch.  „Früher hatten wir eine alte Metallkassettendecke, die nicht ballwurfsicher war", berichtet Traffehn. Darunter hing dann noch ein Fangnetz. "Das sah unschön aus und hat die Spielhöhe deutlich reduziert. Nach der Sanierung beträgt die Spielhöhe mit der neuen Akustikdecke mehr als sieben Meter – das ist eine Voraussetzung für höherklassige Volleyballspiele.

 

Auch für die Zuschauer ändert sich einiges: Auf den Rängen soll es 278 Plätze nach dem Umbau geben, dazu drei Plätze für Menschen mit Behinderung – vorher passten nur 199 Menschen in Hennigsdorfs größte kommunale Halle. Die sechs neuen Umkleiden bieten jeweils Platz für 25 Sportler, der Eingang wurde räumlich aufgeweitet. „Man blickt durch die verglaste Tür gleich in die Halle hinein“, erklärt Frank Traffehn, der auch schon die Hennigsdorfer Stadtverordneten über die Baustelle geführt hat. Die staunten nicht schlecht über die vielen Veränderungen und erkannten die traditionsreiche Halle doch wieder. Doch wichtige Details bleiben dennoch erhalten. So soll eine Cortenstahl-Skulptur einer Läuferin nach dem Umbau am Parkplatz stehen. Die Figur ist dem Relief entlehnt, dem sogenannten Sportlerband, das noch aufgearbeitet wird.

Fensterband und LED-Beleuchtung sorgen für richtiges Licht

1975 öffnete einst die Sporthalle. Dann wurde sie durchgängig genutzt - bis heute. Längst haben Baugerüste die schöne Fassade, die inzwischen gedämmt und mit frischem Anstrich versehen wurde, wieder freigegeben. Sportler, die die bislang noch nie sanierte Halle zum Training und für Punktspiele nutzten, staunen vielleicht. Denn die große Fensterfront, die sich im Südteil befand, ist verschwunden. Mit einem Fensterband kommt jetzt genauso viel Licht hinein, wie es nötig sein wird. Denn aus Süden waren die Sonnenstrahlen ab dem Nachmittag derart intensiv, dass die Spielenden geblendet wurden. Dann mussten Vorhänge zugezogen werden. Die gesamte Südfassade trägt stattdessen nun das Fensterband. Der neue Sonnenschutz als Raffstor kann außerdem ausgefahren werden. Moderne LED-Beleuchtung sorgt im Innern der Halle für das richtige Licht.

Nach den Anstrichen der Stahlkonstruktion im Sporthallenbereich folgte das Dach mit neuem, wärmegedämmten Dachaufbau und integrierter Regenentwässerung samt Dachabdichtung. Ein Wärmedämmverbundsystem WDVS wurde an der Fassade aufgebracht.

Neues Beachvolleyballfeld und Calisthenics-Anlage locken bald

Auch im Außenbereich herrscht Bewegung. Wenn die Halle eröffnet, soll der Parkplatz mit bis zu 20 Pkw-Stellplätzen und 40 Radabstellplätzen fertig sein. Alle Medienanschlüsse liegen inklusive der Hauseinführungen. Eine neue Lüftungsanlage - im Außenbereich montiert - ist vorhanden. Für die neue Beachvolleyball-Anlage, die samt Ballfangzaun errichtet wird, wurden inzwischen die Aufträge vergeben. Allerdings folgt dieser Abschnitt in einem zweiten Teil der Bauarbeiten der Hallensanierung nach. Für 100.000 Euro ergänzen das 22 mal 14 Meter große Feld neben der Bogenschießanlage und den Parkplätzen die sportlichen Offerten, ebenso wie eine Calisthenics-Anlage auf der Nordseite. Der neue Zaun folgt, wenn die schweren Baufahrzeuge nicht mehr aufs Areal rollen müssen.

Besonderes Highlight in der Stadtsporthalle ist ein neuer, gelenkschonender Schwingboden. „Das Schönste, das Parkett fehlt noch. Die Fußbodenheizung ist installiert“, erläutert Planer Frank Traffehn. Prallschutz an den Wänden lässt Bälle abfedern. Neu ist auch ein Vereinsraum, in dem Sportarten von Judo bis Yoga Platz finden können. Dafür wurde der ehemalige Hausanschlussraum umgebaut. 100 Quadratmeter stehen bereit samt ballwurfsicherer Decke, Fenster und Türen. 

Kleinerer Trainingsraum auch für Yoga oder Gymnastik nutzbar

Wegen einiger Materialschwierigkeiten gerade im Trockenbaubereich, so zum Beispiel bei den Fenstern, hat sich der Ausbau etwas verzögert. Corona setzte außerdem einigen Bauarbeitern zu, sodass sich die Fertigstellung des ersten Teilbereiches - noch ohne Beachvolleyballanlage - auf Beginn des neuen Schuljahres im August verschiebt. Die Monate werden für den Innenausbau weiter genutzt. Martin Witt, Fachbereichsleiter Soziale Einrichtungen im Rathaus, geht davon aus, dass die Fünf-Millionen-Euro-Investition dann mit Freude in Beschlag genommen werden kann. 

Der neue Zugang ist barrierefrei. Rollstuhlfahrer kommen bis auf die Tribüne. Künftig kann der Rollstuhl bis zur Barriere vom Spielfeld gefahren werden - auch während sportlicher Veranstaltungen. Die herkömmlichen PVC-Schalensitze à la DDR weichen jetzt Holzbänken. Der neue Sportlereingang befindet sich nun an der Nordseite. Veranstaltungen aus dem Kulturbereich dürfen nicht mehr stattfinden, das legt die Baugenehmigung fest.

Und doch: „Es gab immer wieder Anfragen von Vereinen, die keine ganze Halle, sondern kleinere Räume gesucht haben. Das hat uns bislang gefehlt“, berichtet Martin Witt. Diese Möglichkeit wird es nun nach erfolgtem Umbau geben.