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Doppelter Grund zum Feiern

Datum: 04.02.2026

Gisela Dreßler aus Hennigsdorf feiert 100. Geburtstag, ihr Urenkel wird zehn

Für Bürgermeister Thomas Günther und die Hennigsdorfer Gemeinwesenbeauftragte Kerstin Gröbe ist es Ehrensache. Pünktlich am Morgen stehen sie vor der Tür der Jubilarin an der Stauffenbergstraße. Gisela Dreßler feiert am 4. Februar 2026 ihren 100. Geburtstag. Als sie geboren wurde, gab es die erste Grüne Woche in Berlin. Die Schwimmerin Gertrude Ederle durchschwamm als erste Frau der Welt den Ärmelkanal. Fünf Hundertjährige leben aktuell in der Stadt, die zwei ältesten Hennigsdorferinnen sind schon 104.

Die Aufregung nun ist groß, alles von Tochter Sabine Manthey und der Familie hübsch vorbereitet. Fast hätte die Jubilarin noch ein Gedicht zitiert, am liebsten Kurt Tucholsky, aber das ist nun mit dem schlechter werdenden Gehör nicht mehr ganz so einfach. Der „viele Besuch“ sorgt ebenso dafür, dass es ein bisschen lebhafter in der altersgerechten Wohnung der Hennigsdorferin zugeht als zuletzt gewohnt.

Dabei kann Gisela Dreßler nicht klagen. Denn ihre vier Kinder, elf Enkel und elf Urenkel sorgen für recht viel Abwechslung im Alltag. Bis vor einiger Zeit hat sie noch ihr Hobby ausgelebt, sie ging sehr gern tanzen, zuletzt im LEW-AEG-Tanzkreis des Hennigsdorfer Seniorenclubs im Stadtklubhaus. Musik liegt der Familie im Blut. Und auch Urenkel Lukas Manthey, der just am selben Tag seinen zehnten – also auch einen runden – Geburtstag feiern kann, bewegt sich gern. Viele Familienfeste gab es, Betriebsvergnügen, schöne Weihnachtsfeiern – alles im Klubhaus der Stahlwerker. Erinnerungen leben auf – das Feuer lodert, wenn die Geschichten wie Funken über den Geburtstagstisch fliegen.

Nach Hennigsdorf kamen die Dreßlers nach ihrer Heirat 1951 durch die Arbeit vor nunmehr fast 70 Jahren. Ehemann Udo Dreßler starb 2019. Bis dahin prägte sie das Stahlwerk Hennigsdorf. Während Udo Dreßler als Justiziar dort tätig war, liebte Gisela Dreßler das Unterrichten. An der Ingenieurschule für Stahlgewinnung, später Ingenieurschule für Automatisierung und Werkstofftechnik (iSH), lehrte sie unter anderem Deutsch. Auch das Kabarett der Schule lag ihr am Herzen. Schöne, freche und unterhaltsame Vorstellungen kamen zur Aufführung. Kleine Unzulänglichkeiten wurden aufs Korn genommen, so manche Stähle gezogen und gedreht.

Mit drei Söhnen und einer Tochter blieb Gisela Dreßler bis zur Rente der Ingenieurschule und damit auch dem Stahlwerk treu. Und auch Tochter Sabine Manthey stieg in die Fußstapfen ihrer Eltern und kümmerte sich um den Umweltschutz im Hennigsdorfer Elektrostahlwerk, bis sie vor einigen Jahren selbst in den Ruhestand ging. „Unsere Mutti ist immer patent gewesen und hat sich durchgesetzt, immer berufstätig, immer für uns alle da“, sagt die Tochter anerkennend. Es wurde musiziert, gemeinsam viel unternommen und zusammengehalten. In der Tradition der Metallurgen, denn Metallbauer werden eben nicht geboren, sie werden geschmiedet.

Weil nicht immer alle da sein können, hat die Familie ein großes Bild gebastelt – mit allen Kindern, Enkeln und Urenkeln – zusammengeschweißt in ihrem familiären Zusammenhalt. So kann Gisela Dreßler, die immer noch allein lebt, die vielen Familienangehörigen jeden Tag bei sich haben und anschauen. Einen Termin mit dem Hennigsdorfer Bürgermeister hat sie auch schon vereinbart. Sie müsse da mal einiges über Politik loswerden, stellt die Jubilarin klar.