Traditionsverein eröffnet am Werktor neues Domizil
Alte Feuerwache des Hennigsdorfer Stahlwerks wird Heimstatt für aktive Ehemalige
Seit nunmehr 28 Jahren gibt es in Hennigsdorf den Stahlwerker Traditionsverein. Nun endlich konnte offiziell das neue Vereinsdomizil eröffnet werden. Lange hatten die etwa 35 Aktiven des Vereins darauf hingearbeitet, gewerkelt und längst Regale und Schaukästen befüllt – nun erschien sogar Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke zur Eröffnung der Räume in der Alten Feuerwache unweit des Werktors zum Hennigsdorfer Elektrostahlwerk (HES). Und löste damit ein Versprechen ein, das er am 17. Juni 2023 in Hennigsdorf gegeben hatte. Sich für eine Unterstützung über Lottomittel für den neuen Vereinssitz und die Arbeit der ehemaligen Stahlwerker einzusetzen.
Katja Rex, die Geschäftsführerin der HES, hatte sich für die Sanierung der Räume eingesetzt und die finanzielle Unterstützung des Vereins vertraglich gesichert. Feierlich enthüllten der Vereinsvorsitzende Klaus Höckel, Katja Rex, Dietmar Woidke und Hennigsdorfs Bürgermeister Thomas Günther ein Eingangsschild – nach dem Entwurf des früheren Betriebsrats Detlef Krebs - an der Fassade zum neuen Vereinssitz, dem früheren Haus 210. Der soll auch für Veranstaltungen rund ums Stahlwerk von anderen Vereinen genutzt werden dürfen.
Bestückt ist das Haus freilich mit Stahlwerks-Erinnerungen aller Art. Betonstahl- und Modellstücke, Strangguss-Stücke 140 Millimeter, Walzkörper, Berechnungen und Akten unterschiedlicher Art. Besonders ist eine Glashütter Uhr mit der Gravur „M.M. 30 J. ARB.-JUB.SW Wilh. Florin“ vom 3. März 1955, die zum Traditionsverein gelangte, weil Geschichtsinteressierte gern Aufklärung wollten. Das Modell des Hennigsdorfer Stahlwerks aus dem Jahr 1986, das eine ganze Wand füllt, macht deutlich, wie groß und weit sich einst der Betrieb über Hennigsdorfer Flächen gelegt hatte. Es wurde mit Hilfe einiger Mitstreiter anderer Historikervereine in der Stadt liebevoll saniert. Auch das Stadtarchiv Hennigsdorf unterstützte.
Die Geschichte zu bewahren, so Klaus Höckel, die in viele Familien der Region hineinreicht, sei wichtiger Auftrag. Der frühere Chef des Elektrostahlwerks 2 und stellvertretende Produktionsdirektor selbst forscht intensiv und hält mit anderen gemeinsam Vorträge zur Historie des Werkes. Nach dem Einsturz der Dresdner Carola-Brücke erläuterte er der Öffentlichkeit die Zusammensetzung des Stahls und Zusammenhänge rund um Stahlbauten. Nicht der Stahl aus Hennigsdorf sei Grund für Qualitätsdefizite, sondern fehlende Entwässerungen, Salzbildung und undichte Stellen in Blechen. Klaus Höckel: „Die Geschichte zu bewahren, Traditionen zu pflegen, Details zu erforschen und für die Zukunft weiterzugeben, das ist unser Ziel.“ Außerdem, setzt er mit einem Augenzwinkern hinzu, „sind wir ein lustiges Völkchen.“
Dass Traditionen auch lebendige Beweise der Arbeit ganzer Generationen in Hennigsdorf sind, das machte Bürgermeister Thomas Günther deutlich. „Hier in der alten Feuerwache hat das Gedächtnis des Werkes ein neues Zuhause“, betonte er. Dafür sei er sehr dankbar – auch dem Stahlwerk für dessen Unterstützung. Hennigsdorf sei Stahlstadt, betonte Katja Rex. HES sei gewillt, diese Tradition auch fortzuführen. Ministerpräsident Dietmar Woidke betonte, Stahl sei kritische Infrastruktur. Die Transformation zu schaffen, sei erklärtes Ziel im Land Brandenburg.