„mitmenschen“ aus der Isolation holen
PuR-Projekt richtet sich an Ehrenamtliche aller Altersgruppen
Der Arbeitsprozess endet, der Lebenspartner erkrankt oder stirbt, die Kinder wohnen weit entfernt in einem anderen Bundesland. Jede und jeder kennt Menschen, die genau das beklagen. Oftmals ziehen sich die Betroffenen zurück in ihr heimisches Umfeld und verlieren Kontakte, Begegnungen oder kleine Alltagshöhepunkte und trauen sich immer weniger zu. Genau dagegen möchte Projektkoordinatorin Sophia Dietrich mit ihren Helferinnen und Helfern etwas tun. Mit „mitmenschen“ – so heißt die Gruppe – finden ehrenamtliche Helfer und Helferinnen sowie die Betroffenen, die sich einsam fühlen oder viel zu rückgezogen leben, zueinander.
18 Helfende hat Sophie Dietrich schon um sich gesammelt. Sie kümmern sich um 27 Menschen, die auf Hilfe in irgendeiner Weise angewiesen sind. Doch es geht nicht um Pflege oder technische Hilfeleistung, sondern um Gespräche und Austausch. „Der Schwerpunkt liegt auf Begegnung und sozialem Miteinander“, sagt die junge Mutter, die seit Februar bei der sozialen Projektgesellschaft PuR gGmbH in Hennigsdorf beschäftigt ist. Kleine Aktivitäten oder Erzählrunden gehören dazu vom Singen, Gymnastik für Senioren oder dem gemeinsamen Zubereiten von Speisen und Essen.
Jede oder jeder, der auf diese Art und Weise aus seiner Einsamkeit herausfinden möchte, kann sich melden. Helfende aller Generationen werden aber ebenso gebraucht. Das können auch Jugendliche sein, die gern aus der Zeitung oder einem Buch vorlesen. Oder der sportliche End-Fünfziger, der ein- bis zweimal in der Woche anderen Menschen unter die Arme greifen kann. Neben der Gruppe, die sich zusammenfindet, sind einzelne Unterstützungsangebote möglich.
Die Gruppe kommt einmal im Monat im Nachbarschaftstreff in der Nauener Straße zusammen. In den Räumen können sich die Interessierten austauschen und reden. So kommen sie vor die Tür und mit anderen Hennigsdorferinnen und Hennigsdorfern ins Gespräch. Doch auch dafür sind Begleitungen nötig: Ob beim Arztbesuch oder in der Hauswirtschaft, ob beim Spazierengehen oder im heimischen Umfeld – die Hilfe kann sehr viele Gesichter haben.
Für die Entlastungsangebote von zu Betreuenden stehen auch Gelder aus der Pflegeversicherung zur Verfügung, die mit Hilfestellung der PuR-Fachfrau, die auch als Pflegelotsin arbeitet, beantragt werden können. Diese kommen dann auch den Helfenden zugute. Selbstzahler können diese Hilfe ebenso in Anspruch nehmen. Eng vernetzt mit der Hennigsdorfer Seniorenlotsin Andrea Braun wissen die Projektmitarbeitenden Rat.
Wer sich für ein Mittun interessiert, erhält auch kontinuierlich Schulungen, um gerüstet zu sein. Kontakte und unbürokratische Hilfestellungen sind das Ziel der ehrenamtlichen Arbeit. Wer das Projekt mit Spenden unterstützen möchte, ist ebenso willkommen.
Soziale Nähe herzustellen und niemanden in Hennigsdorf vereinsamen zu lassen, das möchte Sophie Dietrich erreichen. „Unsere Region bietet so viele Hilfsangebote, aber die Gefühle anzusprechen und ältere wie hilfsbedürftige Menschen zu stärken, das ist mein Ziel“, so die gelernte Gesundheits- und Krankenpflegerin. Sie sagt lachend nach vielen Stationen in ihrer Vita: „Ich bin eine Generalistin in Sachen Pflege.“ Manchmal braucht es Mut, sich zu melden. Ein Auftaktgespräch kann der Anfang sein.
Kontakt: Sophie Dietrich, Telefon 03302 4999914 oder sdietrich@purggmbh.de