Mit dem Rad zum Grenzturm
Ausstellung in Nieder Neuendorf ab 4. April wieder öffentlich zugänglich
Wo einst der Todesstreifen der Berliner Mauer verlief, zieht sich heute ein 160 Kilometer langer Mauerradweg durch Wiesen, Wälder und an der Havel entlang. Einer der letzten Zeitzeugen der Zeit der Mauer ist der Grenzturm in Nieder Neuendorf. Er wird jährlich von 10.000 Besucherinnen und Besuchern mit Interesse angesehen. Die Ausstellung ist ab Sonnabend, 4. April 2026, wieder öffentlich zugänglich. An den Oster-Feiertagen lohnt es, einfach mit dem Rad oder per pedes vorbeizuschauen.
Die Exponate der Schau sind vor allem für alle interessant, die sich nicht mehr vorstellen können, dass die Grenzanlagen und das getrennte Berlin mit Anrainergemeinden in Brandenburg das Leben der Menschen von 1961 bis 1989 bestimmten. Die Exponate, die zusammengetragen wurden, geben einen historischen Einblick in die Arbeit der Wachhabenden an der DDR-Grenze. Das Erschütternde und Schreckliche des Ortes wird erfahrbar gemacht, die deutsche Geschichte rückt zum Greifen und Begreifen nah.
Immerhin ist der Grenzturm in Nieder Neuendorf einer der letzten erhaltenen Zeitzeugen dieser Art an der ehemaligen Trennlinie der beiden großen Gesellschaftssysteme, die mit der friedlichen Revolution 1989 ein Ende fand. Heute liegt der Grenzturm idyllisch an der Havel. Die Staatsgrenze der DDR zu Westberlin ist aus dem Bewusstsein und der Lebensrealität fast verschwunden. In der Nähe befindliche gastronomische Einrichtungen laden zum Verweilen ein.
Das Grenzregiment 38 „Clara Zetkin“, das einst in Nieder Neuendorf und Neubrück residierte, ist einem großen Wohn- und Naherholungsgebiet gewichen. Reste sind noch auf der anderen Havelseite in Neubrück zu finden. Natur hat sich Raum zurückerobert.
Zu sehen ist unter anderem eine Hauptsprechstelle, die der Kommunikation zwischen Posten und Führungsstelle diente. Auch eine Ruf- und Sprechsäule RSS17, die im Grenzstreifen installiert war, gibt es in der Schau. Der Comic der Hennigsdorferin Annika Skala, die als Jugendliche mit der Stiftung Gedenkstätte Sachsen-Anhalt/Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn den animierten Comic mit dem Namen „(K)ein Wiedersehen“ erarbeitet hat, lässt sich vor Ort in einer Video-Stele ansehen.
Die Zeichnungen erzählen die Geschichte eines Fluchtversuchs zweier Jungen über die Havel in Nieder Neuendorf und wurden vertont und zu Bewegtbildern. Kindgerecht und jugendgemäß lebt ein Stück Zeitgeschichte auf und erzählt von der geteilten Stadt und einem geteilten Land. Passierscheine, die den Zutritt in die kasernierte Zone erlaubten, Dienstuniformen oder kleine erzählte Episoden zu illegalen, aber kreativen Grenzübertritten bereichern die Exposition, die das Stadtarchiv Hennigsdorf betreut.
Heute sind Mauerbrocken Mitbringsel für Touristen. Überall auf der Welt stehen Teile der Berliner Mauer zur Schau aufgestellt. Die 32 Führungsstellen rund um Westberlin, eine davon in Hennigsdorf, sind verschwunden. 18 Grenztürme gibt es noch in ganz Deutschland. 302 Wachtürme waren es allein einst rund um Berlin.
Zwei Gedenkstelen am Radfernweg erinnern an die Dramatik jener Zeit. Eine ist für den gerade 20-jährigen Peter Kreitlow errichtet worden, eine für den damals 24-jährigen Franziszek Piesik. Beide verloren ihr Leben beim Versuch eines Grenzübertritts. Sie stehen für zahlreiche Tragödien entlang der Mauer, die nicht vergessen werden dürfen und Sinnbild für den Freiheitswillen der Menschen sind.
Exponate, Schautafeln und QR-Codes mit Erläuterungen führen Touristen aus aller Welt durch die Exposition. Ab Ostern ist nun immer dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Bis zum Saisonschluss am 3. Oktober 2026 ist die Ausstellung im Grenzturm zu besichtigen.
Führungen sind nach Voranmeldung beim Stadtarchiv Hennigsdorf unter 03302 877311 jederzeit zu vereinbaren.