Lebendiges Erinnern am Tag gegen Rassismus
Aktionsbündnis H.A.L.T. ruft in Hennigsdorf zum Reinigen der Stolpersteine auf
Seit vielen Jahren finden immer am 21. März und an den Folgetagen Aktionen in Hennigsdorf statt, die vom Aktionsbündnis H.A.L.T., das seit 2009 eine Plattform für alle bietet, die gegen Rassismus, Fremdenhass und Intoleranz aufstehen, initiiert werden. Gruppen, Vereine, Initiativen sorgen an diesem Tag gegen Rassismus alljährlich dafür, dass unter anderem die in Hennigsdorf verlegten Stolpersteine für den Frühling gesäubert werden.
Für Gunter Demnig, der seit 1992 im ganzen Land die kleinen, mit quadratischen Messingtafeln beschlagenen Steine verlegt, geht es um die Menschen hinter den Nummern. Nummern, die in Lagern in Arme tätowiert wurden. Nummern, die für Zahlen von Ermordeten, Verletzten, Diffamierten stehen. Es sei eine symbolische Verbeugung vor den Opfern des Nationalsozialismus, sagt er.
Die Stolpersteine erinnern auch in Hennigsdorf sinnbildlich an Ausgrenzung und Diskriminierung von Menschen anderen Glaubens, anderer Weltanschauung oder auch anderer Lebensstile und sind damit zeitgemäß und aktueller denn je. Sie sind Warnung für die Folgen von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt zugleich – in dieser Zeit der Kriege und Auseinandersetzungen aber vor allem auch Zeichen für Mitmenschlichkeit und Versöhnung.
Wie die vier Stolpersteine für die Familie Blaschke in der Neuendorfstraße 23. Sie erzählen von der Familie des AEG-Werkdirektors Ernst Blaschke, seiner Töchter und Frau. Am Dienstag, 24. März, um 10 Uhr werden Linke, Ausländerbeirat und Seniorenbeirat der Stadt vor Ort gemeinsam erinnern.
Für die Stolpersteine in der Waldstraße 40, die an den jüdischen Schuhhändler Ludwig Goldmann erinnern, sorgt die katholische Kirchengemeinde „Zu den Heiligen Schutzengeln“. In diesem Jahr am Sonnabend, 21. März, um 15 Uhr kommen Interessierte zu einer kleinen Andacht zusammen. Diese Steine erzählen auch von Zivilcourage, denn als das Geschäft in der Pogromnacht 1938 zerstört wurde, stellte sich Hausbesitzer Hans Brockmann dem wütenden Mob entgegen.
„Die Steine sind in unserem Stadtbild sichtbar. Sie sprechen von Menschen und konfrontieren uns mit ihrer Geschichte. Mahnmale werden so nahbar und auch für junge Generationen nacherlebbar. Und am Ende ist es auch ein aktiver Protest gegen jede Form von Rechtsextremismus und Fremdenhass in unserer Stadt. In Hennigsdorf leben 105 Nationalitäten – wir stehen für Integration ein“, stellt Kerstin Gröbe als Mitglied im Aktionsbündnis fest.
Am Gedenkstein für Heinrich Bartsch in der Marwitzer Straße 48 erinnert die Mobile Jugendarbeit MoJa an den 1944 von der SS ermordeten Arbeiter im Widerstand. Die evangelische Kirchengemeinde pflegt in der Hauptstraße 13 die Steine für Familie Lachmann, deren Goldwaren-Uhren-Geschäft 1938 zerschlagen und ausgeplündert wurde. Mit einer Gedenkminute wird am Sonnabend, 21. März, an den Stolpersteinen innegehalten. Acht Familienangehörige der Lachmanns wurden von der SS in Lagern oder auf Transporten ermordet. Das Vermächtnis von Clara Schabbel, Mitglied der Schulze-Boysen/Harnack-Gruppe wollen die Hennigsdorfer Wohnungsbaugesellschaft und die evangelisch-freikirchliche Gemeinde Heimatgeber wachhalten.
Treff ist außerdem die Berliner Straße 18 am Stein für Klara Busse, die im KZ Auschwitz starb. Sie gehörte der Gemeinschaft der „Bibelforscher“ an. Lagerarzt der SS, Dr. Hellmuth Vetter, diagnostizierte kühl im Protokoll einen „Gehirnschlag“. Vetter erhielt vor einem amerikanischen Gericht seine gerechte Strafe und wurde 1949 hingerichtet.