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Hennigsdorfer Präzision: Kleine Teile, große Wirkung

Datum: 17.07.2026

FSM Stamping beliefert namhafte Autohersteller / Auch Bahntechnik wird in Serie produziert

Ohne Hennigsdorf würde es in der Welt nicht laufen. Beziehungsweise fahren. Denn wichtige Komponenten, die in einem Auto stecken, werden im Werk der FSM Syscomp GmbH in der August-Conrad-Straße 40 produziert und rund um den Globus geliefert. Das Auto verlässlich auf- und zuschließen, sich aufs bequeme Polster setzen und den Sicherheitsgurt anlegen – all das wäre ohne Produkte „Made in Hennigsdorf“ nicht denkbar. In jedem fünften Auto weltweit stecken Türschloss-Teile des Hennigsdorfer Herstellers. „Viele sitzen auch auf unseren Produkten, ohne es zu wissen. Teile für Autositze, Sitzführungsschienen, Höhenverstell- und Sicherheitssysteme – all das gehört zu unserem Portfolio“, sagt Lars Reiche, der Geschäftsführer der Konzernmutter FSM Stamping GmbH, nicht ganz ohne Stolz.

Etwa 200 Millionen Stanzteile liefert FSM jedes Jahr in alle Welt, fast eine Million Teile laufen täglich vom Band – unter anderem für namhafte Hersteller wie Daimler, BMW, VW, Porsche oder Renault. Auch Sicherheitsbauteile für Bahnschwellen produziert man am Standort. Ein entsprechendes Verankerungssystem wird bereits nach ganz Europa geliefert, das ICE-Züge auch bei hohem Tempo sicher auf den Schienen hält.

Dass das Unternehmen breit aufgestellt ist, zeigt sich auch darin, dass FSM-Bauteile ebenso in „weißer Ware“ stecken. So sind Spezialbuchsen aus Hennigsdorf in vielen Waschmaschinen und Wäschetrocknern verbaut. Sie sorgen dafür, dass die Lager in den Geräten verlässlich arbeiten und die Maschinen dicht bleiben.

Auch in der Küche geht es nicht ohne FSM aus Hennigsdorf: Scharniere in Kühlschranktüren – diese werden ebenfalls in großen Stückzahlen in den Hallen auf dem ehemaligen Stahlwerksgelände gefertigt, und zwar just in time. Das bedeutet, dass das Material punktgenau per Lkw angeliefert und nach der Verarbeitung als fertige Produkte in Kisten verpackt zeitnah an die Kunden verschickt wird. Große Lagerhaltung ist heute nicht mehr en vogue. Alles muss pünktlich an seinem Platz sein, damit kein teurer Leerlauf entsteht. Bei der Fülle der verschiedenen Produkte und der unterschiedlichen Kunden ist das eine logistische Meisterleistung. Die FSM-Qualitätsware geht auf die Reise durch halb Europa. Selbst in Mexiko und Argentinien sind zufriedene Abnehmer zu finden.

Bei Bürgermeister Thomas Günther kommen beim Hallenrundgang persönliche Erinnerungen hoch: „Der Geruch des Schmieröls von den Werkzeugmaschinen lässt mich an meine eigene LEW-Ausbildung denken. Für den Herzschlag von Hennigsdorf als Industriestadt ist es wichtig, dass wir produzierende Unternehmen haben, die Menschen eine zukunftsfeste Perspektive am Standort geben. Wir wollen als Stadt die Firmen unterstützen, wo wir können.“ Für Hennigsdorf als Top-Standort spricht die perfekte Lage. Die gute Anbindung an Berlin sei ein absolutes Plus, so ein FSM-Manager, der die Erreichbarkeit der Arbeitsplätze für seine Fachkräfte als immens wichtigen Punkt auf der Habenseite anspricht.

In den modernen Werkhallen von FSM stapeln sich die tonnenschweren Rollen Stahlblech, aus denen die Teile gestanzt werden – und das im Dreischichtsystem, rund um die Uhr. „Nur wenn die Maschinen laufen, verdienen sie Geld“, sagt Chef Lars Reiche und blickt auf eine fünf Meter hohe Stanze, die mit einem Pressdruck von 630 Tonnen und aufs Hundertstel genau aus einer Blechplatte höchst anspruchsvolle Teile formt. In Pkw verbaut, werden die Komponenten schon bald auf unseren Straßen unterwegs sein. „Unser Vorteil ist, dass wir kein schwerfälliger Tanker sind, sondern als mittelständisches Unternehmen schnell und flexibel auf Kundenwünsche reagieren können“, erklärt Lars Reiche und führt die täglichen Abstimmungen mit den Abteilungsleitern an, bei denen die Kennzahlen der vergangenen 24 Stunden auf kurzem Wege besprochen werden.

Die Unternehmensgeschichte reicht zurück bis ins Jahr 1935. Da wurde die Vorgängerfirma der FSM Syscomp als kleine mechanische Werkstatt im Familienbesitz im Wedding gegründet. 2005 folgte der Umzug mit der 65-köpfigen Stammbelegschaft von Berlin nach Hennigsdorf. Stück für Stück wurde der Standort nahe der Havel um moderne Produktionsbereiche erweitert.

Das Hennigsdorfer Werk ist mittlerweile auf 165 Mitarbeitende angewachsen. Zusammen mit dem Nauener Standort gehören 230 Kolleginnen und Kollegen zum FSM-Team. Darunter sind auch zehn Azubis. Für das Unternehmen ist Ausbildung die wichtigste Quelle der Personalrekrutierung. Deshalb ist FSM auch regelmäßig auf Nachwuchsmessen wie der Youlab in Oberhavel präsent und wirbt für eine berufliche Karriere als Industrie-Elektroniker oder Werkzeug-Mechaniker. Aber auch über den zweiten und dritten Bildungsweg haben Quereinsteiger eine Chance auf einen Einstieg in das Traditionsunternehmen, das einen Jahresumsatz von über 50 Millionen Euro erwirtschaftet.

Hennigsdorfs Wirtschaftsförderin Ines Hübner: „Es ist sehr beeindruckend, was hier am Standort entsteht – Teile mit haargenauer Präzision für den Weltmarkt. FSM ist ein echter Hidden Champion mit einem hervorragenden Ruf rund um den Globus. Für uns ist es eine gute Nachricht, dass das Unternehmen bei der Langen Nacht der Wirtschaft im kommenden Jahr als Partner mit an Bord ist.“

Bei aller Freude über die rasante Entwicklung in den vergangenen Jahren drücken das international ausgerichtete Unternehmen aktuelle Sorgen in Deutschland. Die Abwanderung großer Hersteller, die hohen Energie- und Personalkosten und die galoppierende Bürokratie belasten das Geschäft, gibt Geschäftsführer Lars Reiche unumwunden zu.

Auf dem 13.000 Quadratmeter großen Areal sei noch genügend Platz für eine Unternehmenserweiterung. „Pläne haben wir, aber wir müssen erst schauen, wie sich die Märkte entwickeln. Ein Vorteil ist auf jeden Fall, dass wir auch in der zukunftsträchtigen E-Automobil-Branche mitmischen“, so Lars Reiche. Mit Weitblick, technischem Know-how und einem starken Team blickt das Unternehmen optimistisch in die Zukunft. Dabei bleibt der Anspruch an Qualität und Zusammenarbeit stets der zentrale Erfolgsfaktor – ganz im Sinne des Firmenmottos: „Partnerschaft, die formt!“